Columbus Reisetagebuch

Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt (Lao Tse)

Sizilien Fortsetzung – weisse Cliffs und schwarze Lava

Im Süden von Sizilien müssen wir ziemlich lange fahren, bis wir ein schönes Plätzchen finden. In Porto Palo machen wir Mittagsrast, hier wird ein edler Ferienort aufgebaut mit Hafen, edlen Villen und schönen Restaurants. Sogar die Mülltrennung ist gestylt, leider klappt es mit der Benutzung noch nicht so richtig.
Weiter fahren wir auf einer schönen Landstrecke durch eine Toscana ähnliche Gegend mit vielen Olivenbäumen und Weinanbau. In der Nähe von Mazara, in Granitola suchen wir einen Nachtplatz. Die Küste ist zwar nicht spektakulär und ziemlich verschmutzt, doch für eine Nacht reicht es.

 

 

Morgen wollen wir weiter ans weisse Kap, nach Eraclea Minoa, das bereits von den alten Griechen besiedelt worden war. Die Ausgrabungen geben nichts her, dafür ist die Landschaft umso spektakulärer. Das weisse Kalkkliff soll bereits den griechischen Seefahrern als Landmarker gedient haben. Zum Übernachten haben wir wohl einen der schönsten Plätze auf Sizilien gefunden. Hoch auf den Kliffs, mit Meerblick auf zwei Seiten, inmitten einem Gärtchen von weissen Kalkbergen. Wir geniessen den Sonnenuntergang im Meer und werden von allen vorbei fahrenden Fahrzeugen bestaunt und wohl auch beneidet.

 

 

Natürlich müssen wir beide Strände ausprobieren. Der Strand zur Rechten ist völlig wild und einsam. Auf der linken Seite finden sich nach etwa einer halben Stunde Fussmarsch dann doch ein paar schöne Strandrestaurants. Das Wasser ist hier überraschenderweise sehr viel kälter als an allen anderen Stränden. Ob es hier eine spezielle Strömung gibt?
Leider regnet es am dritten Tag. Doch bei so einem schönen Platz ist es auch drinnen gemütlich. Und so finden wir endlich mal Zeit an unseren Berichten zu arbeiten.

 

 

Schweren Herzens ziehen wir am vierten Tag weiter. Kommen aber nicht besonders weit, denn bereits lockt mit der Scala dei Turchi eine neue Attraktion. Ebenfalls ein grandioses Kalkkliff am Meer, dessen Begehung aber nicht erlaubt wäre/ ist!
Der Name soll von den Sarazen her rühren, die man früher Türken nannte – und scheinbar soll das Klipp auch an die Sinterterassen in Pamukkale erinnern.  Wir finden einen Stellplatz, wo wir knapp rein passen und geniessen die Touristen – Attraktion.
Grosse Verbotsschilder mit bis zu 1000 Euros Busse versuchen abzuschrecken. Da aber alle weiter laufen, wagen wir es auch.
Nach etwa eine halben Stunde schauen und staunen werden wir von einem Lifeguard weggewiesen, alle müssen das Kliff verlassen.
Als ich das nächste Mal schaue, sind bereits wieder Massen von Leuten am Kliff- Wandern. Ob dieses Prozedere so alle Stunden wiederholt wird? Wir probieren es nicht aus – geniessen lieber einen Apéro in einer schönen Bar am Meer.

 

 

Nach soviel Strand brauchen wir wieder ein bisschen Kultur.
In Agrigento, im Valle dei Templi finden wir dies.
Die Lage der Tempel auf einem aussichtsreichen Hochplateau – nicht in einem Tal – ist einfach grandios. Die optische Verbindung der alten griechischen Säulen mit der Neustadt ein imposanter Kontrast.
Wir schlendern durch Mandel- und Olivenbaumhaine und stellen uns das Leben in der Antike vor. Abgelenkt werden wir von einem schönen Restaurant inmitten der Olivenbäume. Wie gut hatten es doch die alten Griechen- oder waren es die Römer?

 

 

Unvermittelt kommt Nebel auf, so dass wir uns wieder auf zur Küste machen. Leider ist die Küste mit Plastiktreibhäusern zugebaut, in der Wintergemüse für uns Nordeuropäer angebaut wird. In der Nähe des Riserva Naturale Randello finden wir jedoch einen Traumplatz zum Freistehen. Wir bleiben insgesamt fünf Nächte! Wir besuchen das Barockstädtchen Ragusa mit unseren Bicis. Ich erhoffe mir, in der im Internet gefundenen Buchhandlung einen neuen Tolino E-Reader erstehen zu können, da meiner den Geist aufgegeben hat.
Doch leider haben sie kein einziges Gerät an Lager. Es müsste bestellt werden. Nicht ganz ideal für Reisende!

 

 

Da wir von zwei Seiten von schönen Stränden umgeben sind, müssen wir auch dieser Verlockung ausgiebig nachgehen.
Sogar eine Velotour zum Porto die Punta Secca nehmen wir unter die Räder. Dank unserem Sport – Modus können wir die unschönen und vermüllten Treibhausgebiete schnell hinter uns bringen.
Natürlich muss auch das Naturschutzgebiet hinter den Dünen,
das dank Euro – Gelder unterhalten wird, erforscht werden. Urplötzlich fühlen wir uns hier nach Australien versetzt, inmitten all der Eukalypten, dem Dschungel und den Grillstellen und Duschen mitten im Wald.

 

 

Am Abend geniessen wir den sensationellen Blick hinaus aufs Meer und die untergehende Sonne. Vor uns in der Ferne liegt die Hauptroute der Containerschiffe, die durch den Suezkanal fahren.
Ein Schiff fährt seltsam nahe an die Küste ran. Am nächsten Morgen lesen wir in der Zeitung, dass dies ein Containerschiff der Firma Maersk war, das in Pozallo an Land ging, um Flüchtlinge an Land zu bringen. Nach der ganzen Flüchtlingsdramatik hier in Italien rund um die Rettungsschiffe Lifeline  & Co grenzt es fast an ein Wunder, dass das Schiff anlegen durfte. Vielleicht hat auch das Wetter mitgespielt. In der Nacht ging ein höllisches Gewitter mit Blitzen im Sekundentakt über Küste und Meer. Am nächsten Tag war starker Wind und Wellengang angesagt. Es stimmt uns nachdenklich, diese Hin-und Herschieberei der Flüchtlinge. Doch können wir Italien auch verstehen, das sich ziemlich allein gelassen vorkommt in der ganzen Sache.

 

 

Morgen wollen wir Siracusa besichtigen. Wir finden in einem Agricampeggio unter Olivenbäumen in der Nähe einen schönen Platz zum Bleiben. Mit unseren Bicis fahren wir am Morgen früh nach Siracusa. Die Strasse ist höllisch befahren und für Velofahrer gar kein Spass! Es wird sehr schnell und sehr nahe überholt und teilweise einfach rausgefahren, so dass wir stark abbremsen müssen. Als Velofahrer bist du offenbar kein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer!  Mit unserem Sport – Modus haben wir die Höllenfahrt dann mit Angstschweiss auf der Stirne hinter uns gebracht.
Siracusa war im Altertum eine sehr bedeutende Stadt, teilweise mächtiger als Athen und Paris. So wollte sich diese Stadt auch jede Kultur für sich erobern. Von den Griechen gegründet, den Römern, Normannen, Arabern und Spaniern erobert und teilweise zerstört, hat dieser Flecken schon manches erlebt.

 

 

Wir finden Siracusa einfach bezaubernd. Die Lage am Meer, die barocke Innenstadt mit den Prachtbauten, die vielen netten Restaurants, die Strände und auch die Umgebung mit den Kalkkliffs  machen sie sehr attraktiv. Dies schlägt sich offenbar auch in den Preisen nieder. Es ist bis jetzt so ziemlich die teuerste Stadt, die wir besucht haben. Sie scheint auch die Stadt der Reichen und Schönen zu sein und im Hafen liegen einige super grosse und teuere Jachten.
In einem schönen Bagno mit Restaurant essen wir einen guten Fisch und geniessen die kühle Brise.

 

 

Fast lassen wir uns verleiten einen Liegestuhl zu mieten und den Nachmittag dem süssen Nichtstun hinzugeben. Doch die Tagespreise von 22 Euros pro Person schrecken uns definitiv ab! So machen wir uns auf, das antike Siracusa mit dem griechischen und römischen Theater und dem Ohr des Dionisos, der künstlichen Grotte, die an eine Kathedrale erinnert, zu besuchen.

 

 

Wir haben diese Touristenattraktionen jedoch schnell gesehen und finden den Preis von 10 Euros nicht gerecht fertigt. Die heutige Stadt fasziniert uns mehr. Jetzt sind wir doch sehr froh um unsere Velos, so können wir schnell hin und her fahren, ohne durchgeschwitzt im Apero- Bier zu sitzen! Abends stürzen wir uns nochmals in den grässlichen Strassenverkehr und sind sehr froh, dass wir heil wieder unseren Campeggio in idyllischer Ländlichkeit erreicht haben.

 

 

Heute wartet nochmals ein spezieller Sizilien – Leckerbissen auf uns. Wir machen uns auf den Ätna zu erobern!
Bereits die Fahrt zum Ätna ist wunderschön und zu dieser Zeit vom Duft des blühenden Ginsters erfüllt. Wir parken bei der Seilbahn.
In Bergausrüstung kommen wir uns unter all den anderen Touristen etwas fehl am Platz vor. Dennoch fahren wir hoch auf ca 2500m und hoffen, dass wir oben etwas wandern können.
Ja –  hier darf man wandern, auch in Sandalen und Trägertop! Es gibt keine Vorschriften! Wir wählen der Nase nach eine toll aussehende Route und befinden uns plötzlich im Hochgebirge. So sind wir sehr froh um unsere guten Bergschuhe und die Wanderstöcke, auch Windjacke und Stirnband kommen wieder mal zum Einsatz, da es sehr windig ist. Wir geniessen supertolle Einblicke in rote und schwarze Krater und tolle Lavafelder. Ganz hinauf zum Monte Etna mit 3323 Metern darf man nur in geführten Gruppen wandern.
Doch dazu ist es bereits zu spät. Uns reicht auch der Anblick der Gipfelkrater. Wir sind voll zufrieden und geniessen es wieder einmal auf einem Berg zu sein.

 

 

Am Abend gondeln wir wieder runter und hoffen, dass sich der Touristenrummel etwas gelegt hat. Denn wir wollen hier oben auf dem Parkplatz übernachten. Es gibt eine wunderschöne Abendstimmung und in der Nacht glitzern tief unten die Lichter von Catania.

 

 

Am nächsten Morgen machen wir uns relativ früh – bevor uns all die Touristencars entgegen kommen – wieder ans herunter Rollen der tausend Kurven.
Wir wollen noch Taormina besuchen und quartieren uns deshalb in Giradini Naxos auf einem Stellplatz ein. Dummerweise ist gerade Sonntag und alles proppenvoll! Doch der Stellplatzwart findet noch ein Plätzchen für uns und verspricht, dass am Abend alle andern Camper abreisen werden. Wir harren aus am Strand und können allmählich erahnen, wie Italiens Strände im Sommer aussehen. Langsam verstehen wir auch, dass man einen Liegestuhl plus Sonnenschirm in einem Bagno mietet. Da hat man wenigstens seinen garantierten Platz. Denn auf sogenannten freien Stränden werden knallhart wenige Millimeter hinter und neben deinem Tuch die Stühle  der ganzen Sippschaft aufgestellt. Na – fröhliches Badeleben!

 

 

Am nächsten Morgen klappen wir unsere Bicis auseinander und erklimmen in aller Frühe den Hügel von Taormina. E-Bikes sei Dank! Der Gemüsehändler auf seinem Piaggio schaut komisch aus der Wäsche, als ich ihn im Steilaufstieg fröhlich lächelnd überhole.
Das kann er nicht auf sich sitzen lassen und muss mich oben dann laut knatternd und stinkend wieder einholen. Mit Siegermine hat er mich dann wieder überholt. Wir geniessen lieber den super tollen Rundblick von hier oben und das griechische Amphitheater an fantastischer Lage. Zurück in der Altstadt sind wir gerade rechtzeitig vor dem Ansturm der Massen wieder zurück.

 

 

Wir beschliessen noch heute nach Messina zu fahren und Sizilien zu verlassen. Die Rückfahrkarte haben wir ja bereits im Sack. Nach einer Stunde Wartezeit auf die Fähre, die wir gerade zum Mittagessen nutzen, verlassen wir die schöne Insel nach dreieinhalb Wochen wieder auf dem Seeweg.

 

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