Columbus Reisetagebuch

Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt (Lao Tse)

Teil 9: Malaysia – von Palmölfeldern zum ältesten Regenwald der Erde

Malaysia –  17. bis 30. Juli 2019

Am 17. Juli 2019 reisen wir durch dichten Dschungel und einen Bergpass über einen kleinen Grenzübergang von Thailand nach Malaysia ein. Der Grenzübergang ist so klein, dass unsere 12 Fahrzeuge für die Abfertigung fast keinen Platz finden. Hier wird das erste Mal das Carnet de Passage gestempelt und der Gwunder der Grenzer gestillt, indem unser Fahrzeug von Innen betrachtet wird. Vom neuen malaiischen Guide werden wir begrüsst und zu einem Wasserfall in der Nähe zum Übernachten geschickt.
Malaysia hat dank Rohstoffen wie Zinn, Kautschuk, Palmöl und Erdöl seit den 1990er- Jahren eine rasante industrielle Entwicklung gemacht und gehört zu den aufstrebenden Schwellenländern. Dieser Reichtum wird gerade nach der Grenze im Vergleich zu Thailand augenfällig. Malaysia gilt ökonomisch und politisch als eines der stabilsten Länder Südostasiens.
In Malaysia treffen wir auf viele verschiedene Kulturen: Der grösste Teil sind malaiische Muslime, es leben aber auch viele Inder und Chinesen im Land. 11% zählen sich zum indigenen Volk der Orang Asli.
Malaysia ist eine konstitutionelle Wahlmonarchie mit 31 Millionen Einwohnern, verteilt auf Westmalaysia und Ostmalaysia auf Teilen der Insel Borneo. Der König wird alle 5 Jahre neu gewählt.
Aufgrund der langen britischen Kolonialzeit sprechen viele Malaysier ausgezeichnet englisch. Auch können wir die Schrift zwar nicht verstehen, aber endlich wieder mal entziffern.

Malaysia entstand 1963 aus vier ehemaligen Teilen des Britischen Weltreiches: Der Föderation Malaya, der Kronkolonie Nordborneo, der Kronkolonie Singapur (bis 1965) und der Kolonie Sarawak.

Unseren ersten Stopp legen wir im Jerai- Geopark an einem
Fluss mit Wasserpools zum Abkühlen am Rande des Dschungels ein. Über eine anstrengende Wanderung und Hochhangeln an Seilen würde man auch an einen schönen Wasserfall mit vielen Blutegeln gelangen. Dies ist mir jedoch zu gruselig und zu anstrengend, so ziehe ich einen kurzen Spaziergang in den Dschungel mit seltsamen Begegnungen vor.

 

 

Am nächsten Tag werden wir von der Tourismusbehörde zu einer Bootstour zu unberührten Inseln eingeladen. Natürlich verbunden mit Fotoshooting zu Werbezwecken. Die Gemeinde will den Tourismus in der Region fördern.
Da sagt man nicht nein, oder? Leider! Denn die Tour war ein voller Schuss in den Ofen. Antiwerbung toller geht es nicht!
Das Speedboot ist bloss mit Holzbänken ausgestattet und prescht mit voller Geschwindigkeit über die Wellen, so dass wir brutal auf den Sitzen rauf und runter geschleudert werden, dass ich tagelang später noch Rücken- und Nackenschmerzen davon trage. Die unbewohnte Insel entpuppt sich leider als Müllkippe, teilzeit- bewohnt von ein paar Fischer- Freaks. Schade.
So freuen wir uns auf den angekündigten Besuch des Bürgermeisters am Nachmittag. Doch dieser lässt sich nicht blicken. Naja. Bis jetzt hat ja immer alles wie am Schnürchen geklappt. Da darf mal ein Land auch kneifen.

 

 

Unsere Weiterreise führt uns über Taiping, wo wir die Lake Gardens besuchen, einen Stadtpark entstanden 1890 aus einer ausgelassenen Zinnmine. Der alte Baumbestand begeistert uns und die alten LKWs sowieso. Taiping mutet sehr chinesisch an, sind doch zur „Goldgräberzeit“ der Zinnmine viele Chinesen aus dem Yunnan als Kulis vom Geld angelockt worden und haben sich für immer hier nieder gelassen. Es sollen in der Region um Taiping sogar noch Bräuche und Traditionen aus vorrevolutionären Zeit existieren, bei denen den heutigen chinesischen Touristen alles chinesisch vorkommt.

 

 

Wir übernachten in der Mangroven- Region um Kuala Sepetang, wo wir eine nächtliche Bootstour in die Mangroven zu Glühwürmchen unternehmen. Dies ist wirklich toll und ein absolutes Highlight: Hier an diesem speziellen Ort treffen sich Tausende von Reiskorn- grossen Käfern zur Paarung auf speziellen Bäumen und blinken zum Anlocken des anderen Geschlechts dreimal pro Minute. Völlig surreal ist dies, wie blinkende” Christmas- Trees” in den Mangroven. Hier herrscht Weihnachtsstimmung das ganze Jahr über. Dieses Spektakel in absoluter Dunkelheit zu erleben macht es zu einem ganz besonderen Erlebnis.

 

 

Unser dritter Stopp führt uns hinauf in die Kühle der Cameron Highlands auf etwa 1500 Metern gelegen. Leider ist gerade Wochenende und viele Malaien und Touristen geniessen einen Ausflug in diese touristisch aufgemotzte Region. Hier oben wird nicht nur Tee angepflanzt, auch Erdbeeren, Spargeln und Blattgemüse werden in Töpfen und Plastiktunneln gezüchtet. Dies erinnert uns stark an das spanische Almeria. Viele Teeshops locken mit Schokolade und Kuchen und Pflanzen die Touristen an. Jetzt am Wochenende ist es wie auf einem Rummelplatz. Der Autoverkehr ist entsprechend und es kommt zu langen Staus.

 

 

Wir haben am frühen Sonntagmorgen eine Jeeptour gebucht, die uns zu einem Dschungelwalk in den Mooswald, ins Teegebiet und zu einem Schmetterlingspark führt. Mir ist das alles leider viel zu touristisch. Am besten an den Cameron Highlands hat mir die Kühle und die Trockenheit gefallen. Nach langer Zeit wieder mal trockene Wäsche zu haben ist einfach toll.

 

Im Mooswald

 

Im Teegebiet

 

Im Schmetterlingspark

 

Vom Teegebiet geht es in den Regenwald von Taman Negara. Es ist der älteste Nationalpark Malaysias. Hier in der schwer zugänglichen Bergwelt erstreckt sich das grösste noch zusammenhängende Dschungelgebiet von Malaysia, oder was davon übrig blieb. Es gehört mit 130 Mio. Jahren zu den ältesten Regenwäldern der Erde und beherbergt Tiger, Tapire und wilde Elefanten.

 

 

Die Fahrt hinzu führt leider durch riesige Palmölplantagen. Die
Edelhölzer, so sagt man, sollen hier alle illegal ausgeholzt worden sein.
Wir quartieren uns für zwei Nächte in Kuala Tahan ein, wo uns ein dichtes Programm erwartet. Abends wartet ein einheimischer Guide, der uns auf einen nächtlichen Dschungelspaziergang mitnimmt. Leider sind auch sehr viele andere Gruppen unterwegs, so dass wir bis auf Raupen, Spinnen, Stabheuschrecken, Leuchtskorpione und Schlangen nicht viel sehen. Die Wanderschuhe hätten wir nicht gebraucht, da wir alles auf Plankenwegen unterwegs sind und den Boden nicht berührten.

 

 

Am nächsten Morgen unternehmen wir im Regenwald eine vierstündige Wanderung mit einem einheimischen Guide, der uns sehr viel Interessantes zu Pflanzen und dem Überleben im Busch erzählen kann.  Ausserdem tut es einfach wieder mal gut, sich wandernd in der Natur zu bewegen.

 

 

Flussfahrt in den Dschungel

 

Den Nachmittag verbringen auf einer Flussfahrt durch den Dschungel, wo wir in einem Wasserpool mit Stromschnellen baden können.
Am Abend steht ein Abschied an. Sue und Jörn, zwei unserer Reiseleiter, die seit Riga dabei sind, verlassen uns hier. Dafür stösst in Kuala Lumpur Nelly zu uns. Wie schnell doch drei Monate vergehen!
Sue kocht uns zum Abschied eine traditionelle burmesische Nudelsuppe, Mohinga. Bei einem unserer Teamfahrzeuge wird auch noch bis in alle Nacht gearbeitet. Es ist dumm gegangen!

 

 

Vom Zentrum von Malaysia reisen wir durch riesige Palmölplantagen zur Ostküste an das südchinesische Meer. In der Nähe von Kuantan stehen wir endlich wieder mal am Meer. Wunderbar! Wir geniessen die frische Brise und das Campingleben sehr! Leider hat jedes Paradies auch seine Schattenseiten: Sandflies.
Während am zweiten Abend die eine Hälfte der Gruppe zu einer Schildkröten- Aufzuchtstation fährt, geniessen wir übrig gebliebenen einen tollen Grillabend.

 

 

Um doch noch ein paar Elefanten zu sehen, besuchen wir auf dem Weg nach Kuala Lumpur die Elefantenstation Kuala Gandah. Hier werden Elefanten gehalten, die wegen der vielen Plantagen und der Zersiedelung keinen Platz mehr finden. Leider ist es wie so vieles hier in Malaysia eine reine Touristenshow. Dafür ist der Übernachtungsplatz schön in einem Campingplatz im Dschungel gelegen.

 

 

Übernachtungsplatz bei Kuala Gandah

 

Vor der Überfahrt nach Indonesien setzen wir uns für ein paar Tage von der Gruppe ab. Während die anderen Singapur und Kuala Lumpur besuchen, geniessen wir das Campingleben in der Nähe von Port Dickson. Auf der Fahrt quer durch das Land treffen wir auf indische Tempel und Minangkabau-Häuser. Letztere stilisieren mit ihren Dächern die Hörner eines Wasserbüffels. Die Minangkabau leben eigentlich grösstenteils auf Westsumatra, und sind weltweit die grösste noch existierende Ethnie, die im Matriarchat leben, aber der muslimischen Religion angehören. Sie sagen von sich: Das Matriarchat war schon hier, bevor der Islam zu uns kam.
Es gibt verschiedene Mythen um das Matriarchat. Ein Mythos besagt, dass man früher nie genau wissen konnte, wer der Vater eines Kindes ist. So war es sinnvoller, die Blutlinie der Frau als Mass der Dinge zu nehmen.
Antropologen vermuten, die matrilinearen Strukturen weiblicher Herrschaft seien entstanden, weil die Männer – um Handel zu treiben – monatelang unterwegs waren, während die Frauen zuhause blieben und sich um den Hof kümmerten.
Hier auf Malaysia leben die Minangkabau bei Malakka und im Bezirk Negeri Sembilan. Ihre Muttersprache ist Minangkabauisch, eine malayo – polynesische Sprache.

 

 

Wir machen mit Nelly und Toni am Strand bei Port Dickson ab. Leider ist Samstagabend und langes Wochenende. Überall ist Beachparty angesagt: Was für eine Überraschung! Eine Gruppe Freaks mit ihren VW- Käfern fahren ein. Wir werden begrüsst und mit typisch malaiischem Essen beschenkt. Alle hissen ihre Fahnen. Wir werden gefragt, ob wir nicht auch eine Flagge dabei haben; da wollen wir natürlich nicht hinten an stehen und es wird eifrig gewerkelt. Wir lernen viele malaiische Familien und sogar einen Malayischen Campingclub kennen. Offenbar ist campieren in Malaysia eher den begüterten Familien vorbehalten, da sich die ärmeren Leute keine Campingausrüstung leisten können.

 

 

Wir geniessen das Campingleben mit unseren neuen malaiischen Freunden. Zum Schwimmen ist es nicht gar so toll, an der Strasse von Malakka, einer der meist befahrenen Schiffsrouten der Welt. Doch wir hängen nicht bloss ab, die Kabine muss wieder mal gründliche gereinigt werden und die Männer finden immer was zum reparieren. So werden bei unserem MAN zwei Bruchstellen in der Pressluftkühlung gefunden. Per Motorradtaxi wird Beat zum lokalen Schweisser gefahren und die neu geschweissten Teile gerade an der Beach wieder eingesetzt.

 

 

Am 30. Juli 2019 haben wir im Verschiffungshafen von Port Klang abgemacht. Denn am nächsten Morgen sollen die Wohnmobile der ganzen Gruppe auf einen Ponton verladen und in 24 bis 32 Stunden nach Dumai nach Indonesien geschippert werden. Derweil drei Bewacher mit auf das Schiff dürfen, macht sich der Rest der Gruppe nach Port Malakka auf, um dort mit der Personenfähre nach Indonesien über zu setzen. Insgesamt haben wir 3 Tage auf unsere Womos gewartet.
Was wir in unserem letzten Land vor Australien, dem vielseitigen Inselstaat Indonesien alles erleben, berichten wir im nächsten Beitrag. Ob wir Orang- Utans sehen werden oder ob aktive Vulkane uns an der Weiterfahrt hindern?

 

 

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